23.
September

Sir John Barbirolli dirigiert Beethovens Eroica

Er war einer der ganz Großen, und nur ganz wenige wissen es noch. Sir John Barbirolli teilt diesen Status mit einigen Dirigenten, die, schon in bester Stereoqualität, ein musikalisches Vermächtnis hinterlassen haben, das auf Augenhöhe mit den schönsten Aufnahmen von Legenden wie Furtwängler oder Fricsay steht. Jascha Horenstein. Hermann Scherchen. Janos Ferencsik…

Man assoziiert Barbirolli heute vornehmlich mit Mahler, mit Puccini, und erinnert sich an seine gefeierten New Yorker Konzertaufnahmen mit Rubinstein aus den 30er Jahren. Wie gewichtig und definitiv er Beethoven, Brahms und Sibelius dirigierte ist dagegen in Vergessenheit geraten. Das spektakulärste Beispiel für Barbirollis Ausnahmekönnen in den 60er Jahren ist vielleicht eine Aufnahme, die Glorious John 1967, drei Jahre vor seinem Tod, mit dem BBC Symphony Orchestra für HMV machte. Sir John Barbirollis Eroica (erhältlich auf Dutton CDSJB 1008) erreicht Dimensionen, die sonst nur Wilhelm Furtwängler in seinen Sternstunden zugänglich waren. Das offenbart zum Beispiel ein direkter Hörvergleich mit demjenigen Livemitschnitt Furtwänglers, der gemeinhin als sein bester gilt, gemeint ist der RIAS-Mitschnitt aus dem Berliner Titania-Palast vom 08.12. 1952.

Barbirolli schlägt nicht nur mit Furwängler fast identische Tempi an (1. Satz 16:11 zu 16:15, 2. Satz 18:13 zu 18:47, Tempi, mit deren Breite die beiden fast allein in der Aufnahmegeschichte stehen), er verwirklicht auch diesselbe leidenschaftliche Intensität, diesselbe eherne, titanische Metaromantik, die sich in beiden Interpretationen ebenso aus dem Geistigen wie dem Emotionalen speist. Und all’ das ist bei Barbirolli in einer, gegenüber Furtwängler, um 15 Jahre weiterentwickelten, brillanten Studioqualität erlebbar. Wirklich schade, dass die Aufnahme hierzulande fast unbekannt ist.

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