Yellow Lounge im Berliner “Cookies”
Drinnen Gläserklirren und Stimmengewirr in einem aus allen Nähten platzenden Nachtclub. Draußen eine schier endlose Warteschlange, die sich über die Friedrichstraße bis um die Ecke nach Unter den Linden zieht. Im Berliner Cookies beginnt eine der kultigsten Clubnächte Berlins, eine Veranstaltung, die nirgendwo beworben oder angezeigt, sondern nur unter der Hand weitergesagt wird, an den Musikuniversitäten der Stadt und im Freundeskreis des Cookies: Die Yellow Lounge, einer der It-Termine für die Avantgarde des Berliner Nachtlebens. Im Rahmen der Yellow Lounge wird ausschließlich klassische Musik gespielt, aufgelegt und ineinander gemischt von DJs.
Und zweimal pro Abend spielt mitten im Club ein klassischer Liveact, vom studentischen Perkussionsensemble bis zu Weltstars wie Lang Lang oder Anne Sofie von Otter. Dann verstummen die Gespräche, die Leute stellen das Rauchen und das Personal den Ausschank ein, die Menschen scharen sich direkt um die Künstler und hören zu. Natürlich entsteht dabei nicht das klangliche Niveau eines Konzertsaals, aber es entsteht das Erlebnis einer direkten Nähe zu Musikern und Musik, es ensteht eine Spannung, die niemand unberührt läßt und ein Partypublikum zu begeistern vermag, das sich so etwas vermutlich niemals hätte träumen lassen. Gestern war Hélène Grimaud da. Ihr Programm: Beethovens Klaviersonate op. 109, nicht eben ein kleines Werk, das sie zweimal hintereinander komplett durchspielte (”It changes each time. So let’s try again…”) sowie Brahms’ selten zu hörendes, sperriges, hochromantisches Opus 2, die f-moll Klaviersonate, die sie demnächst aufnehmen wird. Außer den A&R-Leuten bei Deutsche Grammophon weiß das wohl bisher nur ihr gestriges Publikum. Ein aufregender, magischer Abend, der einmal mehr gezeigt hat, dass klassische Musik die sexy Atmosphäre des Nachtlebens in einem der weltbesten Clubs nicht nur nicht zerstört, sondern im Gegenteil bereichert.
Ich bin einer der DJs der Yellow Lounge und habe auch gestern abend aufgelegt. Klar, dass ich kaum was anderes sagen werde. Also: Man mache sich selbst ein Bild davon, wie gut eine Caipirinha mit der musikalischen Untermalung eines Chopinwalzers von Arthur Rubinstein schmecken kann. Wer irgendwann einen Berlinbesuch dahingehend plant, sei vorgewarnt: Kommt früh, denn sobald um 22:30 Uhr der Liveact beginnt ist die Türe zu - und fast jedes Mal stoppt der Einlaß lange vorher, weil der Club an die Grenze seiner Kapazität kommt.
Filme und Bilder, die die Atmosphäre einer Yellow Lounge ganz gut vermitteln, sowie der aktuelle Newsletter finden sich auf www.yellowlounge.de.
Klassik im Club - eine gute Idee? Meinungen, Anregungen, Diskussionen sind willkommen…