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Dezember 29, 2007

Real CrossOver - Notizen beim Platten aufräumen

Geposted in: Konzerte, Allgemein

Zugegeben, mein Gebrauch des - ohnehin zweifelhaften - Wörtchens CrossOver für das Folgende entspricht nicht ganz der üblichen Verwendung. Aber er trifft den Wortsinn. “To cross over” - auf die andere Seite gehen - meint hier mal nicht einen Künstler, sondern direkt die Musik, besser: den musikalischen Verlauf.

Im Zuge meiner Dezember-Engagements bei diversen Weihnachtsfeiern hatte ich einen Veranstalter, der etwas haben wollte, was DJs wie Auftraggeber normalerweise scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Nämlich eine musikalische Mischung grundverschiedener Stilrichtungen. Genauer gesagt akzeptierte man schließlich meinen Vorschlag einer Mischung aus Klassik, Jazz und sanften Ambient- und Electrotracks. Was mich immer schon gereizt hat, die fließenden interdisziplinären Verbindungslinien der Musik im Rahmen einer Loungeveranstaltung aufzuzeigen, ohne dabei etwas zu produzieren, was anstrengend, was nicht Entertainment sei. So verschieden sind die Dinge eben nicht. Gute Musik ist gute Musik. Dis Schwierigkeit liegt wenn dann beim atmosphärischen Feingefühl für die Übergänge. Dieser Abend bot also die Gelegenheit sowas mal zu versuchen, denn der Veranstalter, eine Berliner Eventagentur, wollte keine Party, sondern eine eher besinnliche Stimmung, eine Art Anti-Stress-Genuss-Programm gegen den bereits allseits grassierenden Weihnachts-Burnout. Alles ganz “Lounge” und “Chillout”, daraufhin war auch die Location, eine Kirche, atmosphärisch ein- und ausgerichtet.

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Die Vorbereitung auf sowas zwingt einen geradezu zum Nachdenken über die Cluster musikalischer Querbezüge. Jetzt bringt mich mein jahresendliches Platten aufräumen zur Rekapitulation. Zuerst habe ich mir Sets zu bauen versucht, die immer ein Klassikstück mit einem Jazztitel und einem Electro-Track kombinierten. Das war dann doch zuviel des Guten. Also entschied ich mich für Mikrosets von je 20 - 30 Minuten pro Musikrichtung, um dann einen sanften Wechsel zu vollziehen. Zum Beispiel von einem moderat schnellen barocken Konzertsatz Johann Heinrich Schmelzers über ein abstrakt-ostinates Stück des Keith Jarrett Trio, etwa von der Scheibe “Endless”, hinein in den Jazz. Von dort führt vieles weiter in elektronische Gefilde, vielleicht “Hour of Need” von Faithless, oder Gravenhursts “Song Among the Pine”.

Der Rückweg: “You Stayed” von De Phazz bringt uns wieder in Richtung Jazz, und Oscar Petersons “The Prayer, A Jazz Hymn” eine halbe Stunde auf die Spur der klassischen Musik zurück, die man vielleicht mit einer Nocturne von Frédéric Chopin, gespielt in einer Version für Klavier und Violoncello von Thomas Larcher und Thomas Demenga, erneut betritt. So ungefähr verliefen meine Linien. Es hat echt gut funktioniert in dieser Atmosphäre. Und es macht einen Heidenspass, denn mit ein paar Vorüberlegungen läßt sich sowas endlos weiterführen.


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