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Januar 04, 2008

Ist guter Klang letztlich doch ein Faß ohne Boden?

Geposted in: Aufnahmen, Allgemein

Über Jahre war ich jetzt zufrieden mit dem, was ich hatte. Gemeint ist meine mit Glück, Geduld und etwas Geschick auf meinen eher moderat gefüllten Geldbeutel abgestimmte Musikanlage, angesiedelt am oberen Ende von HiFi und am unteren von High End. Linn Classik Music, ein Kombigerät, das CD-Player und Verstärker in einem Gehäuse einschließt, Linn LK 140, eine ziemlich potente Endstufe, gekauft als Auslaufmodell zu Sonderkonditionen, sowie ein gematchtes Celestion 300 Boxenpaar, das mir nur deshalb bezahlbar wurde, weil ich bereit war, einen zehn Jahre lang originalverpackten Artikel zu kaufen, der mich ohne Ende Nerven kosten wird, sollte ich je ein Ersatzteil auftreiben müssen. Es hat lange gedauert, bis 35, ehe ich das Glück hatte, ein paar Monate lang doppelt zu verdienen und mir eine Anlage dieser Qualität leisten zu können.

Mit Technik und Besitztümern will ich niemanden langweilen. Der Punkt ist: Das Setup macht wunderbar musikalisch Musik, ideal für Klassik und Jazz. Und wenn man elektronische Musik damit hört, dann kommt man aus dem Staunen über das leuchtend präzise, absolut zeitechte Ansprechverhalten nicht mehr raus. Ich habe Anlagen gehört, die das sechsfache kosten würden und nicht so musikalisch waren. Damit war das Thema HiFi für mich erledigt, zwei Jahre lang.

Nun führe ich mit meinem besten Freund eine seit Jahren immer mal fortgesetzte Diskussion. Thema: Kann man als qualitätsorientierter Mensch irgendwann zufrieden sein mit dem, was man hat und aufhören zu suchen, zu jagen, zu kaufen? Wohlgemerkt: Das Thema ist Qualität, nicht irgendein Statuswahn, den wir im übrigen beide zum Kotzen finden. Meine Antwort auf diese Frage war immer “ja”, seine “nein”. Jedenfalls war er der Meinung, ich könnte das nicht.

Dummerweise bin ich zwischen den Jahren beim Schlendern durch die Stadt mit meiner Freundin in einen HiFi Laden gestolpert und habe dort etwas gehört, was mich denken läßt, dass mein Freund Axel wahrscheinlich recht hat. Es gibt meist und für (fast) jeden einen sehr großen Unterschied zwischen etwas Teurem, oder etwas hymnisch Rezensiertem, und einem echten, eigenen, authentischen Wow-Erlebnis. Wer hat nicht schon mal einen kostspieligen Wein gekostet und bei sich gedacht “na ja, ist ja ganz nett, aber…”? -Ich gehe also in diesen Laden und sehe da zwei Lautsprecherboxen stehen , die mir visuell sehr gefallen. “Kann ich die mal hören?” frage ich ohne jede Absicht. “Ja, klar”. “Habt ihr auch Klassik da?” Yep, hatten sie. Und außerdem eine CD-Payer/ Verstärker-Kombination, von der ich bis dahin noch nie was gehört habe. “Damit bespielen die bei Dynaudio (der Boxenfirma) auch ihre ganz großen Dinger” hieß es zu den Geräten später lapidar.

Die Musik fängt also an und schon nach ein paar Takten fühle ich mich wie zum in die Luft springen. Fast tut die Lebendigkeit dieser Schallwellen schon körperlich weh. Meine Freundin, die was ganz anderes macht und mit diesen Dingen nicht halb so wahnsinnig ist, reagiert genauso. Einfach der Hammer. Und natürlich entsprechend teuer, wenn auch lange nicht am Ende des Spektrums angesiedelt. Zum Glück aber teuer genug, damit nicht mal das Nachdenken darüber lohnt. Doch wenn ich’s hätte, ich hätt’s vom Fleck weg gekauft. Beziehungsweise hätte ich alles andere in dieser Preisklasse durchrecherchiert und es dann gekauft. Na ja, wahnsinnig eben. Und Axel hat wohl recht, es hört niemals auf…

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